ONLINE: IAL: WÜRDE mit Kunstwerken von Martina Höss

Donnerstag, 19. November 2020, 19:30 Uhr

Mit Ute Weber-Woisetschläger (Philosophin, Kunsthistorikerin, Gründerin Integral Art Lab Hub) und Martina Höss (integrale Künstlerin)

Im Rahmen der Lange Nacht der Philosophie am 19. November 2020 bereiten wir ein Integral Art Lab zum Thema WÜRDE vor mit ausgewählten Arbeiten der integralen Künstlerin Martina Höss.

Das Integral Art Lab (IAL) versteht sich als Forschungsprojekt an dieser Schnittstelle von Wahrnehmung, Bewusstsein und Kreativität. Ein IAL setzt sich aus mehreren Modulen
– Ankommen – Check-in – Meditation/Kontemplation – theoretischer Input/vertiefender Dialog – wahrnehmende Kunstbetrachtung/spontanes Journaling – generativer Dialog – Check-out –
zusammen, um aus der Erfahrung und aus dem reflektierten Prozess einen autonomen Zugang sowohl zur bewussten Wahrnehmung des ausgewählten Kunstwerks als auch zum eigenen Selbst zu erkunden. An dieser Quelle der Einsicht wird eine Aktualisierung unseres In-der-Welt-Seins möglich.

Martina Höss:
Mother of Creation,
130 x 100cm, Öl auf Leinen

Ablauf: Dauer: 90 Minuten
Ankommen – Check-in – Meditation/Kontemplation – theoretischer Input/vertiefender Dialog – wahrnehmende Kunstbetrachtung/spontanes Journaling – generativer Dialog – Check-out

In diesem IAL widmen wir uns dem Begriff und der Bedeutung von Würde, individuell und kollektiv. Wir befragen diesen Begriff dialogisch bevor wir in die Begegnung mit einem Kunstwerk gehen und uns über unsere eigene Bildauswahl, unsere Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Einsichten austauschen. Eine Einstimmung in dieses Thema erlaubt uns ein kurzer theoretischer Input, eine Definition der Menschenwürde nach Kant von Sören Hoffmann und ein Podcast sowie ein Video mit Gerald Hüther.

Anmeldung und freie Spende sowie Zugang zum virtuellen Raum bitte über diesen Link

Was hat uns schon Immanuel Kant zum Thema Würde mit auf den Weg gegeben?

Zur Definition der MENSCHENWÜRDE nach Kant:
„‚Würde‘ bezeichnet bei Kant (im Gegenzug gegen den „Preis“) den absoluten, niemals gegenrechenbaren Wert der Menschheit überhaupt, wie er in der
a) Existenz des einzelnen Menschen als eines zur Freiheit bestimmten Wesens,
b) seinen freiheitlich motivierten Handlungen (Zwecksetzungen) wie auch
c) anderen rational bestimmten Äußerungen insbesondere in Beziehung auf andere in Erscheinung tritt.

Die Würde des Menschen gebietet kategorisch (d.h. ohne Ausnahme oder Bedingung) „Achtung“ als Rahmen aller zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie ist dem einzelnen Menschen als Repräsentanten der Menschheit „angeboren“ (Akad.-Ausgabe 6, 420) und prinzipiell „unverlierbar“ (Akad.-Ausg. 6, 436). „Würde“ wird ihrem Träger nicht nach Art von sozialen Auszeichnungen, etwa des „Feudalwesen[s]“ (Akad.-Ausg. 7, 131), nur von außen beigelegt (zuerkannt). Ihr Grund liegt nicht in einer (auch kollektiven) „Wertentscheidung“, sondern in der universalen Verbindlichkeit ausnahmslos jedes Menschen, „die Würde der Menschheit“ nicht nach eigener Präferenz nur an einigen, sondern „an jedem anderen Menschen praktisch anzuerkennen“ (Akad.-Ausg. 6, 462).

Der eigentliche Kern der „Würde der Menschheit“ besteht zuletzt in der über die Phänomenalität hinausweisenden sittlichen Autonomie des Menschen, d.h. in der „Fähigkeit, allgemein gesetzgebend, obgleich mit dem Beding, eben dieser Gesetzgebung zugleich selbst unterworfen zu sein“ (Akad.-Ausg. 4, 440).“

Vortrag: Menschenwürde als Horizont interkultureller Begegnung, Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann, Fernuniversität in Hagen / 24. Februar 2010

Virtuelle Bildergalerie

WÜRDE und SELBSTWERT

Können wir WÜRDE lernen?
Menschenwürde in Philosophie und Hirnforschung
Podcast mit Gerald Hüther und Arnd Pollmann im Gespräch mit Simone Miller

Unsere Würde ist verletzlich, sagt der Philosoph Arnd Pollmann. Umso wichtiger sei es, schon als Kind ein positives Selbstbild zu entwickeln, so der Neurobiologe Gerald Hüther. Nur wer die eigene Würde schätze, schütze auch die der anderen.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – Artikel 1 unseres Grundgesetzes stellt die Menschenwürde unter besonderen Schutz. Nicht umsonst, sagt der Berliner Sozialphilosoph Arnd Pollmann, denn die Erfahrung zeige, dass Menschen überall auf der Welt ausgenutzt, erniedrigt, ausgebeutet oder instrumentalisiert werden.

„Die Würde des Menschen ist nämlich sehr wohl antastbar“, so Pollmann, „und damit etwas sehr Fragiles, etwas Verletzliches. Sie ist etwas, das es im Leben allererst auszubilden und dann auch selbstbewusst zu verteidigen gilt.“

WÜRDE als empfindliches Vermögen

Arnd Pollmann versteht „Würde“ nicht als eine unveränderliche Eigenschaft, die uns allen gleichermaßen von Geburt an gegeben ist, sondern als ein empfindliches Vermögen, ein Potenzial, das jeder Mensch sich zunächst einmal bewusst machen muss, um es dann nach und nach zu entwickeln und zur Reife zu bringen.

Darin stimmt Pollmann mit dem Göttinger Neurobiologen Gerald Hüther überein. Nach Hüthers Verständnis ist „Würde“ ein positives Selbstbild, das Menschen anhand ihrer Erfahrungen mit anderen entwickeln. Würde ist für Hüther das Gegenteil der Erfahrung, ausgenutzt zu werden:

„Das Schlimmste, was uns als Menschen auf der seelischen Ebene passieren kann, ist, dass wir von anderen wie Objekte behandelt werden: dass wir nicht gesehen werden, bevormundet werden, dass wir zum Objekt von Vorstellungen und Erwartungen, von Belehrungen und Bewertungen gemacht werden.“

SELBSTWERT als innerer Kompass

Aufmerksamkeit füreinander und ein respektvoller Umgang, der es jedem Menschen ermögliche, Würde zu entwickeln, sei deshalb ein zentraler gesellschaftlicher Auftrag, sagt auch Gerald Hüther.

„Jemand, der sich seiner eigenen Würde bewusst geworden ist, ist auch nicht mehr verführbar“, so Hüther. „Der weiß ja, was er will, der hat ein Kriterium, nach dem er das, was er tut, und was ihm im Leben von anderen widerfährt, sortieren kann. Das ist wie ein innerer Kompass, der einen Menschen im Leben führt und der dazu führt, dass er sich nicht wieder verliert, dass er bei sich bleibt: bei sich als gestaltendem Subjekt.“

Wissen, wer man ist, und wer man sein will – philosophisch betrachtet sei Würde der Ausdruck einer inneren Haltung, sagt Arnd Pollmann. Sie beruhe im Kern auf Selbstachtung: dem Gefühl, „ein gleichwertiger, gleichberechtigter Mensch zu sein und auch als ein solcher geachtet zu werden.“ Wenn man gelernt habe, sich selbst zu schätzen, bringe man diese Haltung auch anderen entgegen, so Pollmann: „Wer selbst Würde hat, wird sie anderen nicht nehmen wollen.“

Würde – Interview mit Prof. Dr. Gerald Hüther an der Langen Nacht der Philosophie Zürich

Würde – unser Kompass im Leben: Gerald Hüther im Interview mit Abenteuer Philosophie

www.gerald-huether.de
www.wuerdekompass.de

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