ONLINE: IAL: Das NUMINOSE, DAS SUBLIME, DER ALLGEGENWÄRTIGE URSPRUNG und Kunstwerke namhafter Künstler*innen

Donnerstag, April 22, 2021, 7 pm CET via Zoom

Warum Kunst, warum das Numinose oder das Sublime oder sogar den allgegenwärtigen Ursprung vor Kunst ästhetisch erfahren?
Viele Menschen suchen in der Auseinandersetzung mit essentiellen Sinnfragen eine Verbindung mit ursprünglichen Dimensionen unseres Seins in der Meditation, in der Kontemplation, im Gebet, im Dialog; Künstler drücken ihre Erkundungen und Erfahrungen mit dem Erhabenen, dem Unfassbaren, dem Unaussprechlichen in einem Werk aus. Wir erlauben uns diese Fragen in einem Integralen Art Lab durch verschiedene Methoden zu erfahren, zu verbinden und zu teilen.

Martina Höss: Heart.Mind.Purynectar


Hans-Georg Gadamer und Jean Gebser erläutern in diesen ausgewählten Zitaten die komplexen Zusammenhänge:

WARUM Kunst?

Die Kunst nimmt einen ein, sie reicht über die Zeiten und über die Völker hinweg, wie über die individuellen Künstler und ihre Biographie. Überall finden wir diese rätselhafte Präsenz, die wie ein unumstößliches Zeugnis ist: das Kunstwerk der bildenden oder der sprachlichen Kunst. Was ist es, das einem dabei so nah kommt, dass man sagt: So ist es? Es scheint, als ob wir nicht darauf verzichten können (…).

Hans-Georg Gadamer

Das NUMINOSE

Der Ausdruck „numinos“ umschreibt eine ganz bestimmte Erlebnissphäre: die des religiösen Schauders, des „tremendum“, die des Erschauerns und Ergriffenseins durch das, was dem Menschen als das „Ganz-Andere“ entgegentritt.
Es handelt sich also bei diesem Begriff um die Faßbarmchung und Bezeichnung eines Urerlebnisses. Und der Erlebnis-Charakter ordnet das „Numinose“ nicht nur der mythisch-psychischen Erfahrungsfähigkeit zu, sondern vor allem der praerationalen magisch-vitalen Sphäre; beide sind es, die in uns auf das Numinose antworten. (…)
Dieser Begriff des Numinosen bringt jenen Grundsachverhalt zum Ausdruck, dass die Reaktion des Menschen auf Ereignisse, die er nicht begreift oder nicht versteht, vorwiegend erlebnis- und gefühlsmäßig, emotional ist. (…)

Jean Gebser

Das DURCHSCHEINENDE

Wie wenn „hinter“ oder „vor“ dieser durch den Geeinzelten eroberten Welt, welche Raumwelt so gut ist wie Weltraum, – wie, wenn da noch eine andere wartete, die nur auf diesem „Wege“ der Einzelung, nur auf diesem Wege, der über die Einzelung führt, gewonnen werden kann, so wie die Einzelung ja nur auf dem Wege über den Clan (die Sippe) gewonnen wurde?

Wie, wenn als „hinter“ dem Menschen ein Menschheitliches, hinter Gott ein Gottheitliches, hinter dem Geist ein Geistheitliches einst aufschiene, das er „erreichen“, besser: das ich durchsichtig werden könnte, sofern es sich der Einzelung (die ausschließliche und patriarchale Ichhaftigkeit durch die Ichfreiheit auflösend) begäbe, so wie der mythische Mensch sich der Geborgenheit (der bloßen Mutterwelt), so wie der magische Mensch sich der Einheit (der bloßen Clanwelt) begab?

Jean Gebser

Die APERSPEKTIVISCHE Welt und die VIERTE DIMENSION

Die Überwindung der Zeit, die uns Jean Gebser zufolge die integrale Bewußtseinsstruktur eröffnet, begegnet uns in der ästhetischen Erfahrung von Kunst, weil sich im Vollzug, im Verweilen vor dem Bild, in der dialogischen Begegnung mit dem Werk, die Zeit aufhebt und wir im HIER und JETZT ankommen.

Ein besonderer Zeitmodus kündigt sich an. Was mit der Kunst eigentümlich verbunden ist, meint nicht den Augenblick des Erlebnisses (worin man in der Geschichte der Ästhetik vorübergehend das Zeitlose in der Zeit zu finden geglaubt hat), sondern viel eher, die Weile und das Verweilen – eine höchst rätselhafte Wirkung aller Kunst. (…) das Bild ruft einen zurück, zum Staunen und zum Verweilen, … .
Die Seinsweise der Kunst ist „Vollzug“. (…) Im Vollzug wird etwas nicht zum Gegenstand gemacht, vielmehr vollzieht es sich. Diese Unterscheidung war auch Heidegger sehr wichtig. (…) Worauf es ankommt ist, dass der Vollzug keine Vergegenständlichung bewirkt. (…) Alle kennen wir, was sich in der Erfahrung von Kunst ereignet: Jedes Werk, das uns ergriffen hat, lässt uns mitgehen, ja, es muß geradezu in uns eingehen. (…)
Der Vollzug hat sein vollendetes Sein, sein telos, in sich selbst. Damit wird sogleich deutlich, dass energeia nicht bloß Bewegung (kinesis) meint. Denn Bewegung ist, so lange sie im Gange ist, nicht vollendet.
Die Erfahrung von Kunst (…) vollzieht sich wie ein wartendes Verweilen, in dem das Werk der Kunst herauskommt. Was so herauskommt, „spricht uns an“, wie wir sagen, und so ist der Angesprochene mit dem, was da herauskommt, wie in einem Gespräch. Das gilt vom Sehen wie vom Hören, und so auch von jenem Lesen, von dem die Rede war.

Hans-Georg Gadamer

Das integrale Bewußtsein

Bewußtsein ist die Fähigkeit, jene Zusammenhänge zu übersehen, die uns konstituieren: es ist ein stets statthabender Akt des Integrierens und Richtens. Es erschöpft sich nicht in formalem Wissen, ja selbst nicht in verarbeitetem Wissen, es ist weder mit dem Denkprozeß identisch, noch beschränkt es sich auf das bloße Ich-Bewußtsein. Seine erhellende Funktion besteht durchaus nicht in bloßer Räumlichung und Zeitlichung. Es ist kein bloßes Gegenüber zu den Dingen und Erscheinungen, sondern beobachtender Zuschauer, aber auch handelnde Instanz und hat regulative Funktionen.
Das Bewußtsein ist nicht nur an das Ich gebunden, sondern auch an das Sich, ohne deshalb numinosen Charakter anzunehmen (den es in der mythischen Struktur infolge der noch nicht eingesehenen Wirksamkeit der Erinnerung hat).
Durch diese doppelte Gebundenheit an das Ich und an das Sich, die weder eine Einheit, noch eine Ergänzung, noch einen Gegensatz darstellen, ist das Bewußtsein jene Intensität, welche die Mutationen im Menschen zu gänzlichen vermag.
Nur dort, wo das Bewußtsein seine numinose Bedingtheit und Befristetheit überwunden hat, vermag es der Gefahr zu entgehen, das Ganze in die ihm fremde Gegensätzlichung oder Teilung zu reißen.

Jean Gebser


Wenn wir mit Jean Gebser von einer Entfaltung des Ursprungs im Bewußtsein des Menschseins ausgehen, uns in die vierte Dimension hineinlehnen und ihr Potenzial in uns zum Ausdruck bringen, verbinden wir uns mit der subtilen Natur unseres Wesens und allen Seins, fühlen und spüren unsere Ursprünglichkeit, die wir einladen sich in uns zu gegenwärtigen, schöpferisch auszudrücken und darin – in Verbundenheit mit Allem – zu beobachten.

Dabei unterstützt uns die Struktur des Integral Art Labs:

Struktur:
Check-in – Meditation/Kontemplation – mystischer Textimpuls/Triade – Bilderkundung/Journaling – Sharing/generativer Dialog – Check-out
mit Ute Weber-Woisetschläger und Kunstwerke namhafter Künstler*innen

Beitrag: 35 EUR via PayPal oder bei Anfrage alternativ via Bankverbindung

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